Erfahrungsbericht Uli: Spannungskopfschmerzen – was hilft?

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titelfoto: Rüdiger Lutz

„Ich habe Kopfschmerzen“ klingt recht harmlos. Bei mir leider nicht, denn meine Spannungskopfschmerzen haben die Stärke einer Migräne mit ähnlichen Symptomen: Du hältst es kaum noch aus, dir ist übel und du denkst jedes Mal, dass du diesen Schmerzschub ganz bestimmt nicht durchstehst. Wie man sieht: Es ist mir jedes Mal gelungen, und das schon um die 25 Jahre, teils alle 1-2 Wochen. Und nicht nur das: Nach einer frustrierenden Ärzte- und Behandlungsodyssee fand ich die erleichternde Lösung dann doch noch – und die ist so simpel, dass sich die Balken biegen. Spannungskopfschmerzen, was hilft? Hier kommen die einfachen Antworten …

25 Jahre Spannungskopfschmerzen – was hilft denn nun, bitte?

Vor knapp fünf Jahren: Ich befinde mich mal wieder in einer Klinik. Fachleute, wohin das Auge reicht. Alle wissen dort über Schmerzen bestens Bescheid: Woher sie stammen und wie sie auch wieder gehen können. Es könnte alles recht prima laufen, käme mir nicht meine „Unartigkeit“ in die Quere. Ich mache einfach nicht, was Herr Doktor will. Das würde dir bei so viel paradoxer Fragwürdigkeit sicher ähnlich gehen.

Meine Krankenkasse gestattet mir exakt eine Woche in dieser wundervollen Klinik. Die Zeit muss ausreichen für eine bestätigte Diagnose sowie einen kompetenten Heilungsplan. Welche Kopfschmerz-Schübe genau plagen Frau Uli und was kann man tun, damit die sich zukünftig woanders aufhalten? Zwei Fragen, auf die in nur sieben Tagen Antworten gefunden werden sollen. Trotz meiner zahlreichen negativen Klinik-Erfahrungen in der Vergangenheit bin ich positiv gestimmt, dass dies gelingt.

 

Der Klinikleiter will mich sprechen

Das geht ja gut los. Der Chef selbst nimmt sich meiner an. Für eine gesetzlich Versicherte völlig ungewöhnlich. Ihm ist zu Ohren gekommen, dass ich „so eine“ bin. Was er nur meint? „Na, eine Patientin mit Angstzuständen.“ Nach dieser Feststellung tut er so, als würde er mich untersuchen. Dabei steht seine Diagnose mit dieser meiner Info bereits fest. Da aber die Krankenkasse das Geld schon in seine Richtung überwiesen hat, müssen wir beide tapfer sein.

Weiter geht’s zur Psychologin. Wir unterhalten uns darüber, dass ich seit über dreißig Jahren Angst habe. Dann ist der erste Tag schon um. Andere Patienten werden in der gleichen Zeit reichlich mit modernsten Geräten durchleuchtet. Das spart man sich bei mir, da die Sache hiermit geritzt ist. Ich muss trotzdem an diversen Terminen teilnehmen, um den Schein zu wahren. Dabei suche ich doch bloß händeringend Unterstützung bei Klärung der Frage: Spannungskopfschmerzen, was hilft?

 

Statt Linderung und Hilfe: noch mehr Schmerzen

Wir Patienten marschieren am nächsten Tag gesammelt zur Ergotherapie. Die Ergotherapeutin verlangt von mir, dass ich mich wie alle anderen auch schrecklich verbiege. Genau diese Bewegung tut meinem Nacken gar nicht gut. Ich kriege Schmerzen, darf aber trotzdem nicht damit aufhören. Am Ende der Stunde kündigt sich eine Schmerzattacke an, wegen der ich die restlichen Gruppen-Anwendungen des Tages nicht mehr miterleben kann.

Das findet Herr Doktor unerhört. Er hat niemals Schmerzen, er behandelt sie nur. Deswegen kann er überhaupt nicht verstehen, dass man sich wegen so ein paar läppischer Schmerzen dem ganzen Behandlungsplan verweigert. Das müsse anders werden mit mir. Auch die Visite am dritten Tag hat dieses Thema zum Inhalt.

Dann jedoch greift er ganz tief in seine Schmerzbehandlungs-Trickkiste: Pillensorte xy muss es richten. Ich solle ab sofort auch eine davon nehmen. Nein, kein Schmerzmittel und auch kein Antidepressiva. Irgendeines, das für „ich weiß jetzt nicht mehr genau was“ erfunden wurde. In einer Nebenerscheinung würde es die Angst platt machen. Aber so was von. Da mein Problem laut Herrn Doktor nicht die Kopfschmerzen sind, sondern die Angst, müssen die Pillen sein.

 

Am Abend ist es so weit. Ich darf die Wunderpille schlucken.

Bereits 10 Minuten danach wird mir sehr komisch. Gut, dass ich bereits im Bett liege. Auf meinen zwei Beinen kann ich mich nämlich nicht mehr halten. Verdammt, gerade jetzt muss ich noch mal aufs Klo. Das liegt lediglich zwei Meter von meinem Bett entfernt. Kommt mir in Anbetracht der Umstände unerreichbar vor.

Mit großer Willensanstrengung schaffe ich die Herausforderung. Wie ich zurück ins Bett gelange, kann ich nicht mehr sagen. Meine Sinne schweben mit meinen Muskeln dahin. Was bin ich froh, als ich am nächsten Morgen aufwache und feststelle, dass ich wieder denken kann. Nur mit meinem Kreislauf ist das so eine Sache. Der will noch nicht ganz. Herrschaftszeiten, das sind vielleicht Pillen. Ziemlich berauschend. Wenn das gegen Spannungskopfschmerzen helfen soll, fresse ich einen Besen!

Zum Frühstück bringt mir die Schwester erneut eine. Beim bloßen Anblick kippe ich beinahe aus den Latschen. Für heute Abend. Hä? Schon wieder? Sie antwortet, dass ich die Freude nun jeden Tag hätte. Ich kann mich nicht an diesen Tatbestand erinnern, obwohl meine Sinne bei der letzten Arztvisite noch in Ordnung waren. Es hörte sich vielmehr danach an, dass ich halt einmalig das Ding einwerfe – so als Versuch eben. Von ständig weiß ich wirklich nichts.

 

Spannungskopfschmerz was hilft - vielleicht ein Medikament?Die Sache mit dem Spiegeldingens

Die Schwester erklärt, dass einmal nix bringt. Wenn, dann immer oder gar nicht. Es handelt sich um ein Spiegelmedikament, das meinen Körper auf wunderbare Weise beeinflusst. So wunderbar, dass ich ohne es nie mehr wieder werde auskommen, wenn mein Spiegel sich mal daran gewöhnt hat. Er lechzt förmlich danach und vollzieht unschöne Sachen, wenn er sein Medikament auch nur einen Tag nicht mehr erhält.

Ich lehne dankend ab, rechne aber nicht mit dem Widerstand des Herrn Doktor. Die Buschtrommeln haben es relativ schnell bis zu ihm getragen: „Die da mit der Angst ist schon wieder unartig. Sie will kein Medikament nehmen.“ Was das für mich bedeutet, erfahre ich jetzt. Er kommt zur Tür herein. Ach was, hereinkommen ist gar kein Ausdruck. Er reißt fast die Tür aus den Angeln, so ist er in Rage. Bevor ich ein Wort sagen kann, macht er mich zur Schnecke. Ganz doll böse ist er zu mir und sagt reichlich böse Sachen. Ich erschrecke, da ich ja eine Patientin bin, die eine einfache Antwort auf die einfache Frage finden will: Spannungskopfschmerzen, was hilft mir denn endlich?

Die Nerven sind da grundsätzlich leicht angeschlagen. Kein Wunder, wenn man in einem kalten Krankenhaus verweilt statt zu Hause, eine schlimme Schmerzattacke hinter sich hat, ebenso den ersten Drogenrausch seines Lebens. Ich bin so perplex, dass ich kaum reagieren kann. Erst eine halbe Stunde nach Entschwinden des wütenden Doktors finde ich mein Gleichgewicht wieder. Danach überlege ich die weiteren Schritte.

 

Ich soll die Klinik bitte schön verlassen

Grund: Ich bin leider zu unartig, daher könne er nichts mehr für mich tun. Ein verlockender Gedanke. Manchmal kann ich aber auch böse sein, zumindest ein bisschen. Daher tue ich ihm den Gefallen nicht. Er wird mich bis zum Ende der anvisierten Zeit ertragen müssen. Jetzt erst recht – auch wenn ich dafür weitere 3 Nächte im Krankenhausbett überstehen muss. Das wäre gar nicht so schlimm. Es ist erstaunlicherweise sehr bequem, nur das Essen lässt enorm zu wünschen übrig. Mein Appetit hat sich seitdem verabschiedet, weil er die dargebotenen Gaben wenig erhellend findet. Herr Doktor meint, dass aber auch daran meine Angst schuld ist. Leicht gesagt, wenn man bedenkt, dass er die kulinarischen Grausamkeiten nicht essen muss.

Am letzten Tag findet ein Abschlussgespräch zwischen allen Patienten und dem Doktor statt. Ich habe wieder Oberwasser und werde charmant aufmüpfig. Ich glaube, er ist sehr erleichtert, als er mir die Entlassungspapiere überreichen kann. Darin stehen seltsame Dinge. Die Interpretation des Ganzen: Ich habe die Behandlung boykottiert und mir sei daher nicht zu helfen. Tja, das wollen wir doch mal sehen.

 

Spannungskopfschmerzen, was hilft? Kleiner Rückblick:

Spannungskopfschmerzen was hilft denn nun wirklich

Vor dem Aufenthalt war ich bereits bei zig anderen Ärzten, Orthopäden, wurde Dutzende Male geröntgt, durchs MRT geschoben. Krankengymnasten versuchten zuhauf ihr Glück, Osteopathen ebenso, mit dem Ergebnis, dass sie bei der kleinsten Anwendung sofort einen Spannungskopfschmerz auslösten.

Irgendwann gibst du dich auf und lebst in ständiger Angst vor der nächsten Schmerzattacke. Ich traute mich kaum noch, meinen Schulter-Nackenbereich zu belasten. Größere Putzaktionen, bei denen ich unter relativer Kraftanwendung Schrubben oder den Bodenwischer schwingen musste, Joggen, leichtes Training mit dem Theraband – alles hatte sofort den nächsten Schmerzschub zur Folge.

Das einzige Schmerzmittel, das ich vertrage, hilft nur bedingt bis gar nicht. Der Spuk dauert dann mind. 2 Tage, manchmal auch 4 oder 5. Ich will jetzt ja nicht jammern, aber das ist wirklich die Hölle. Teils so heftig, dass ich den Notarzt kommen lassen musste.

Wenn du Leuten erklärst, du hast Kopfschmerzen, gucken sie dich komisch von der Seite an und denken (oder sagen): „Was macht die denn für ein Theater wegen ein ‚bisschen‘ Kopfschmerzen?“. Oder: „Nimm doch einfach ein Schmerzmittel und gut ist!“

Daher ging ich irgendwann dazu über, das Wort Kopfschmerzen gar nicht mehr zu benutzen, sondern bediente mich einer Notlüge. Ich erklärte einfach, ich hätte Migräne. Das ersparte mir sehr viele Rechtfertigungen und schiefe Blicke.

 

Die Lösung:

Foto: Rüdiger Lutz

Ich bin sehr happy! Inzwischen besuchen mich die Spannungskopfschmerzen nur noch alle 4- 6 Wochen, sind meist weniger heftig und kürzer in der Dauer. Außerdem bringt das Schmerzmittelchen in 90 % der Fälle nun etwas Erleichterung. Was für ein Gewinn an Lebensqualität und natürlich gebe ich mich damit noch lange nicht zufrieden. Ich mache weiter!

Was hilft nachhaltig gegen diese furchtbaren Spannungskopfschmerzen? Nach langer Zeit habe ich endlich eine Antwort darauf gefunden!

Sogar unser aktueller Umzug verlief schmerzfrei. Und das, obwohl jeder weiß, was es heißt, 50 Kisten einzupacken, Sachen umher zu schleppen, alles wieder auszupacken, Großputz in der alten und neuen Behausung. Ihr lieben Muskeln, Sehnen, Nervenbahnen und wer sonst noch dafür zuständig ist: Haben wir spitzenmäßig hingekriegt! Okay, mit eine bisschen Powerunterstützung in Form von täglichen Magnesiumfußbädern, Igelballmassagen und Wärme – aber ohne Höllen-Schmerzattacke. Ich bin stolz auf uns.

Aber wie schaffte ich nun das, was über 20 Jahre niemand gelang – nicht mal den Fachärzten? Das ist mal wieder so simpel, dass man erst drauf kommen muss:

 

  1. Persönlichkeitsentwicklung oder anders gesagt: Was will mein Körper mir damit sagen? Anstatt rum zu jammern, sich nur auf das Symptom zu fixieren und auf diesen Körper zu schimpfen, vielleicht einfach genau hinschauen. Habe ich gemacht und hatte dabei tolle Unterstützung ganz lieber Menschen, die meinen Horizont enorm erweiterten.
  2. Pilates: Früher dachte ich immer: Was fürn Quatsch, das ist doch nix für mich. Dann traf ich die beste Osteopathin und Pilatestrainerin weit und breit. Sie führte mich mit viel Geduld und über ein Jahr langsam an die ganzheitlichen Zusammenhänge heran. Der nächste große Groschen fällt. Endlich verstand ich, dass mein Nacken-Halswirbel-Bereich nur das Ende einer sehr langen Kette von Reaktionen und Prozessen ist. Durch jahrelange Fehlhaltung und ängstliche Schonung meines Körpers war überhaupt null Stabilität mehr vorhanden.

Also fing ich an, ganz babymäßig 2 x 5 Minuten pro Tag. Gefiel meinem Körper außerordentlich gut. Ich steigerte das Pensum langsam und mache meine Übungen inzwischen fleißig und mit großer Freude jeden Tag zu Hause, um die 20-25 Minuten lang.

  1. Sanfte Bewegung: Sport wiederum im klassischen Sinn mag mein Körperchen (momentan) gar nicht. Es dauerte recht lang, bis ich kapierte, wie die Botschaft lautet: „Mädchen, einfache Bewegung reicht mir erst mal, mehr braucht’s nicht.“ Also laufe ich fast jeden Tag spazieren oder schwinge mich aufs Trimmrad.

Diese Woche wurde ich gnadenlos übermütig. Ich dachte, hey, du hast einen Mammutumzug überstanden, da wirst du als ehemalige Fußballerin doch wohl in deinen Bewegungsambitionen etwas dynamischer werden können. Zack, kommt prompt die Meldung von Kollege Körper, wie blöd er diese Idee findet. Wie? In Form eines Schmerzschubes natürlich, was ich in dem Fall aber gar nicht negativ finde. Ich bin ihm sogar dankbar. Lektion und Wink mit dem Zaunpfahl hiermit verstanden.

  1. Atemübungen und Entspannung: Viele Ängste bedingen viel negativen Stress. Und sowieso bin ich innerlich eher ein Quirl im positiven Sinne und ein sensibles Wesen obendrein. Versuche da mal zu entspannen. Schier unmöglich. Auch in dieser Sache stolperte ich über meine eigenen Füße aufgrund meiner falschen Erwartungen und Vorstellungen. Ich wollte es so hinkriegen, wie alle das machen. Bis ich auch hier genauer hinguckte und meinen ureigenen Weg suchte. Der ist recht unorthodox, für mich aber goldrichtig.

 

Resümee dieses Artikels – nicht nur bei der Frage „Spannungskopfschmerzen, was hilft“, sondern in allen Lebenslagen:

Jede(r) von uns hat selbst so viel mehr in der Hand, als man glaubt. Ich schließe mich daher ganz der Haltung und Überzeugung der lieben Heidi Zinnel an, die sagt: „Widerstand bringt nichts“ oder auch „Es gibt für alles eine Lösung.“ Wenn du magst, kannst du in diesem Artikel mehr dazu und zu Heidi erfahren. In eher schlechten Zeiten voller Not können wir die Lösungen einfach schlecht sehen, da der Schatten des Übels gar so massiv über uns hängt und der Widerstand gegenüber dem Problem vielleicht noch zu groß ist.