Graue Haare: mit Stolz tragen wie Caroline oder färben?

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titel-Model: Caroline Labouchere

Vor drei Wochen: Ari kriegt die Krise. Alle Friseure haben zu und als wir ein Kundenmeeting per Zoom haben, erblicke ich sie in einer neuerdings sehr kreativen Frisur. Rührt aus obiger Tatsache: Der graue Ansatz blitzt deutlich durch, den sie so versucht, einigermaßen zu verstecken.

Das sind Probleme, die ich nicht kenne. Meine Haarpracht ziert ein vollkommenes Naturhellbraun. Dafür habe ich sehr dünnes Haar nebst zeitweise blödem Haarausfall – auch nicht gerade der Hit und so hat jede von uns mit anderen haarigen Herausforderungen umzugehen.

Jedenfalls animiert die friseurlose Zeit Ari dazu, über ihr verstecktes und jetzt zwangsweise sichtbar werdendes Grau neu nachzudenken – und das nicht zum ersten Mal. Ständig diese Chemie am Kopf, kann ja auch nicht die Lösung sein. Die Kommentare ihres Umfeldes auf diese Überlegungen lassen jedoch nicht gerade Freude aufkommen:

„Grau macht alt!“
„Ergraut siehst du aus wie eine Kräuterhexe!“
„Grau ist hässlich!“
„Dann schaut dich kein Mann mehr an!“

An der Stelle ein großes Dankeschön an Caroline, die wir über Instagram kennen. Wir sind fasziniert von ihrer Tiefgründigkeit und Vielseitigkeit. Und mit ihren 55 Jahren hat sie den durchtrainierten Körper einer 20-Jährigen. Wir sagen wow! Sie war so nett, uns Fotos für den Titel dieses Beitrags zur Verfügung zu stellen.

 

Alt und grau? Wer will das schon!

Mit Anfang bzw. Mitte fünfzig sind wir ja (aber hallo!) nicht alt. Jedenfalls fühlen wir uns energiegeladen, voller Pläne und finden diese Lebensphase ziemlich super. Ehrlich gesagt, weiß ich allerdings nicht, was graue Haare in mir auslösen würden. Mein Körper signalisiert mir damit ja unmissverständlich: „Hey Uli, geht so langsam abwärts mir dir!“ – so alterstechnisch gesehen. Wobei das bei einer Frau aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht ja viel früher anfängt – bei Männern glücklicherweise auch. Ausgleichende Gerechtigkeit!

So mancher Modetrend geht dennoch in die entgegengesetzte Richtung. Vor allem in 2018 und 2019 war es unter den jungen Frauen schwer hip, sich die Haare hellgrau zu färben. Meine Tochter ist schneller auf den Trend aufgesprungen, als ich gucken konnte. Plötzlich kriegte ich ergraute Vorher-Nachher-Fotos (siehe Abbildung links) per Messenger geschickt. Zwei Wochen später war sie still und leise wieder blond, weil sie es praktisch dann doch nicht ganz so toll fand, wie in der trendy Theorie vorgestellt.

Mein Mann Rüdi, der gleichzeitig Fotograf ist, kann es indes kaum erwarten, dass seine Gattin endlich ergrauen möge. Er sieht vor seinem geistigen Auge schon die schönsten Grauhaar-Fotos vor sich und ist sich sicher: Grau stünde mir prima! Da bin ich ja beruhigt.

Kommen wir erneut zu Ari zurück, die inzwischen alle paar Tage neu mit dem Thema anfängt. Instagram liefert zusätzlichen Stoff dafür: Es ist voll von grauhaarigen Schönheiten Ü50, die ihren Silverlook stolz durch die Welt tragen.

 

Eine Frage der inneren Einstellung und des richtigen Zeitpunkts

Wie macht man’s nun richtig? Zumindest scheint bei Ari die Zeit reif für das Thema, wobei sie darüber ja eigentlich schon zwei Jahre philosophiert. Die Sehnsucht ist spürbar, endlich diese Chemie vom Kopf zu kriegen und nicht mehr alle Nase lang Ansätze färben zu müssen. Da sind aber auch die Zweifel: „Wie kriege ich bloß den Übergang bei so langen Haaren hin?“

Auch zu bedenken im Umgang damit ist die Haarstruktur. Ari hat eine unglaubliche Mähne: dicht und füllig. Sie sagt von sich selbst, dass ihre Haare wachsen wie Unkraut, was ich auch gern mal hätte. Beim ‚Grau‘ bedeutet genau das aber große Unterschiede im Look. In der heiklen Übergangszeit sowieso, denn in dieser Phase will Ari ja nicht aussehen wie frisch der Unterwelt entsprungen.

Antworten bzw. gute Lösungsansätze von zwei Friseuren dazu: keine!

Und auch wenn das bei Ari ein bisschen kompliziert ist, da nur der vordere Ansatz grau wird, der Rest aber braun nachwächst, hätte sie sich von den Fachleuten etwas mehr erwartet. Also fragt sie die Silver-Ladys in ihrer Umgebung dazu. Ihre Tipps: Mache einfach Übergangs-Strähnchen! Hm, welche jetzt? Braune bei den Grauen oder Graue bei den Braunen?

Also wartet sie einfach mal ab, welche Strähnchen bei ihr denn nun wirklich grau werden – so oder so.

 

Der Spiegel-Check heute morgen

Es lässt mir keine Ruhe. Ich stelle mich extra nah vor den Spiegel und nehme meine Haare ganz genau unter die Lupe. Und dann entdecke ich die schonungslose Realität! Wenn ich den Pony leicht anhebe, lachen sie mich hämisch an, wenn auch vereinzelt: „Hier sind wir!“

Es geht wohl doch so langsam los, wenngleich kaum sichtbar und an einer Hand abzuzählen.

Muss ich natürlich sofort brühwarm meinem Rüdi übermitteln, der als Antwort zu grinsen anfängt. Ist ihm bei diversen Bildbearbeitungen längst aufgefallen. So ein Schlawiner! Und sagt mir nichts.

Es bleibt also spannend bei uns Frauen Ü50 und die Männer erwähne ich in diesem Artikel ausnahmsweise nicht. Sie mögen es mir verzeihen. Bei ihnen ist das doch (meistens!) viel einfacher. Unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass ein Teil der Mannsbilder sich sowieso nie mit dem Thema beschäftigen muss – Rüdi ist das beste Beispiel: Glatze statt grau seit 30 Jahren. Problem von Natur aus eigenständig gelöst! Genau das Gegenteil wiederum Aris Vater, der mit 18 schon schlohweiß war und bis heute noch ist.

Resümee:
Hauptsache, wir sind gesund. Die Sache mit den grauen Haaren sollte man vielleicht einfach nicht überbewerten.

Den krönenden Abschluss in diesem Artikel bilden nachfolgende Silver-Ladys. Sie alle sind unserem Aufruf gefolgt und haben uns ihr Foto übermittelt. Sie tragen ihre silbernen Haare stolz wie selbstbewusst. Danke für eure Fotos!

Obere Reihe:

Untere Reihe: