(Alters-)Sehschwäche verbessern durch regelmäßiges Augentraining

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titelfoto: Rüdiger Lutz

 

„Moment, wo habe ich denn schon wieder meine Lesebrille hingelegt?!“ Ari und ich zoomen. Ich hatte kurz davor meine Fernbrille auf der Nase und finde die andere nun nicht. Dabei liegt die normalerweise immer am Rechner. „Jetzt weißt du, warum ich lieber Augentraining mache“, kommentiert Ari das Geschehen.

Augentraining statt Brille?“ frage ich verdutzt. Das kann ich schier nicht glauben. Auch deswegen, da mir diverse Optiker jedes Mal etwas anderes predigen. Mein letzte Optikerodyssee liegt noch nicht lange zurück – mit haarsträubenden Erlebnissen. Ich erzähle dir gleich mehr davon.

„Ja, genau, ich übe mich 3 x täglich in Augentraining, denn diesen Brillenquatsch mache ich ganz sicher nicht mit“, erklärt Ari weiter. Damit ist beschlossene Sache, dass wir darüber einen Artikel schreiben wollen. Denn wir kommen dabei einem Phänomen auf die Spur, das bestimmt auch für dich interessant ist.

Optiker: „Wie alt sind Sie? Eyeye, schon über 50 – Sie wissen schon, was das bedeutet!“

 

Meine Tochter findet mich seit Jahren alt, der Optiker jetzt auch. Sehr erfrischende Aussichten. „In Ihrem Alter bleibt es nicht aus. Die so genannten Alterssehschwäche holt Sie ein“, erklärt mir der Optiker und verdreht dabei die Augen, als handle es sich dabei um ein Vergehen. Entschuldigung, dafür kann ich ja nun wirklich nichts und hätte Ari mich zu diesem Termin begleitet – oh je, der arme Herr. Sie beschäftigt sich mit dem Thema seit Jahren und lässt sich mit derlei pauschalen Aussagen schon mal gar nicht abspeisen (zumal sie so auch nicht stimmen!).

 

Unsere Augen und das Prinzip des Augentrainings

Wie dir Augentraining helfen kann

© Rüdiger Lutz

 

Wenn du jahrelang auf der Couch sitzt und dich eher spärlich bewegst, werden deine Muskeln irgendwann schlaff. Bewegst du dich dagegen einseitig oder hast eine unbemerkte Körperfehlhaltung, kriegst du Schmerzen.

Deine Sehschwäche wiederum kann dann absacken, wenn du dich überanstrengst oder selten innere Ruhe findest – und auch, wenn du beispielsweise viel am Rechner sitzt oder oft in dein Handy guckst. Da wird jeder Muskel schlaff, so auch der deiner Augen. Zudem haben wir alle wenig (sichtbaren) Wechsel bzw. Kontrast im Alltag zwischen hell und dunkel, zwischen nah und fern. Bettest du das wieder in deinen Tagesablauf ein, werden deine Augen fit wie Turnschuh – und du kannst das Fortschreiten der Sehschwäche relativ aufhalten. Davon jedenfalls geht das Prinzip des Augentrainings aus.

Wissenschaftlich ist das wohl nicht eindeutig bewiesen – Ari jedoch zeigt als lebendes (bestes) Beispiel, dass es funktioniert. Wir kriegen es alle nur ständig anders erzählt. Das setzt sich als Glaubenssatz fest und wir kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass es auch anders gehen könnte. Wir empfinden das wie oben erwähnt als ein Phänomen, da dir Alternativen wie diese selten jemand empfehlen wird.

 

Das Augentraining in Kurzform:

  • Gezielte Muskelübungen helfen, deine Augenbewegungen dynamischer und kontrollierter zu machen.
  • Durch Mobilitätsübungen kannst du die Durchblutung rund um die Augen anregen – die Linse wird wieder elastischer.
  • Durch gezieltes Sehtraining kannst du zudem die Veränderung des Augapfels ausgleichen.
  • Die Übungen solltest du regelmäßig und fortlaufend ausführen – also wie Ari täglich mehrmals.

 

Hätte ich das mal alles vorher gewusst! Daher fange ich ab sofort mit dem Augentraining an.

 

Ari ist mir da viele Schritte (und Jahre) voraus. Im Prinzip war ihr schon als Kind klar: „Ich will niemals eine Brille oder Kontaktlinsen!“ Eine Art Brillentrauma, das sich im Hause Ari durch folgende Begebenheiten festigte. Sie wiederholten sich fast täglich:

Mutti (etwas lauter): „Ari, nicht ins Waschbecken fassen, da ist mir eben meine Kontaktlinse reingefallen!“ oder „Ari, pass auf, nicht da jetzt langlaufen, mir ist die Kontaktlinse runtergefallen!“

Vati: Schon mit 18 die erste Brille verpasst bekommen. Im fortgeschrittenen Alter schwatzte ihm der Optiker eine Gleitsichtbrille auf (kommt mir sehr bekannt vor!). Mit der kam er gar nicht klar und stolpert sich fortan durchs Leben.

 

Apropos Optiker: Die Sache mit der Gleitsichtbrille:

Sommer 2019 – ich beim Optiker. Leider beim Falschen, wie sich nach dem 3. Termin herausstellt. „Ohne Gleitsichtbrille kommen Sie in Ihrem Alter nicht mehr aus!“, sagt er. Dazu ein Blick, der Schlimmes vermuten lässt, wenn ich seinem Rat nicht folge.

Ich bestelle die Gleitsichtbrille und eine Lesebrille zum Arbeiten. Mit Gleitsichtbrille werde ich da bekloppt, zumal mein Bildschirm riesig ist (Halsstarre inklusive). Die Lesebrille gibt es übrigens auch in Gleitsichtformat. „Ab 50 brauchen Sie die!“ Ich weiß zwar nicht warum und erkläre viermal, dass ich 30 cm von meinem Bildschirm entfernt sitze. Die Gleitsicht-Nähe-Brille kann aber bis zu einem Meter weit gucken, sofern ich das wollte. Will ich aber nicht, das ist dem Optiker egal.

Am Ende habe ich zwei Brillen für teures Geld erhalten, die ich nicht brauchen kann. 

 

Vierter Besuch dort, ich habe die Faxen dicke und bestimme: „Nix mehr Gleitsichtquatsch. Bitte eine normale Lese- und Fernbrille daraus machen. Ganz ungleitfähig.“ Entsetzen in den Blicken der Angestellten dort. Sie lassen mich deutlich spüren, dass sie mich für leicht unzurechnungsfähig halten. Meinen Wunsch kriege ich dennoch erfüllt, wenngleich mit deutlich verdrehten Augen.

Als Abschlussgeschenk reinigen sie mein Kunststoffgestell mit Spiritus und verbiegen es entsetzlich. Das stelle ich leider erst zu Hause fest. Der Lack bröselt ab, erste Risse am Gestell tun sich auf.

Damit meine „altersbedingte“ (hüstel) Sehschwäche nicht weiter fortschreitet und der nächste Optikerbesuch entsprechend erst wieder in hundert Jahren nötig wird, lasse ich mir von Ari das Augentraining zeigen.

 

Beispiele und Arten von Augentraining:

Beispiele für Augentraining

© Rüdiger Lutz

 

# Augenübung 1 – Palmieren

Kleine Auszeit für deine Augen. Reibe beide Hände so lange, bis sie schön warm sind. Bedecke damit deine Augen. Es sollte völlig dunkel sein. Das behalte so lange bei, bis die Dunkelheit auch hinter deinen geschlossenen Lidern angekommen ist. Das dauert eine kurze Zeit. Deine Sehzellen schalten ab und deine Augen können entspannen.

# Augenübung 2 –Augen-Yoga

Bewege deine Augen (offen oder geschlossen) langsam nach links und rechts, dann nach oben und unten, diagonal nach rechts oben und links unten – sowie umgekehrt. Dazwischen immer schön mit den Augen klimpern. Viele praktische Anleitungen dazu findest du auf youtube.

# Augenübung 3 – Die Lochbrille

Bei einer Lochbrille schaust du durch unterschiedliche Raster und Quadrate. Das regt die Mikrobewegungen an. Anfänger sollten die Brillen jedoch nie länger als drei bis vier Minuten aufsetzen. Wichtig zudem: Damit gemütlich umherlaufen, den Blick schweifen lassen, entspannen – jedoch nicht öfter als fünfmal am Tag.

# Augenübung 4 – Schärfeverlagerung

Halte deinen Finger im Abstand von ca. 20 Zentimetern vor deine Augen. Schaue dann abwechselnd vom Finger in Richtung Ferne und umgekehrt. Kurzsichtige beginnen beim Finger, Weitsichtige beim Blick in die Ferne.

 

Ari ist inzwischen 54 und braucht keine Brille dank Augentraining. Mit ihrer Sehstärke versetzte sie erst dieser Tage ihren Werkstattleiter der Autowerkstatt in Faszination. Der Raum etwas dunkel, es müssen Papiere abgeholt werden.

Er: „Moment, da muss ich die Lupe holen!“
Ari: „Lupe? Ach was, geben Sie mal her!“

Sie liest ihm die winzigen Zeilen bei Abenddämmerung vor und hinterlässt staunen:

„Das können Sie noch lesen?“ Und wie sie kann!

Das Augentraining ist ihr inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen, genauso wie das Atmen nach Crimi – das ist allerdings wieder eine andere Geschichte. Egal wie, sie bleibt sich in dieser Sache treu, folgt ihrer Intuition und lässt sich von niemand Gegenteiliges einreden. Bei auftretenden Problemen geht sie aber selbstverständlich zum Arzt, und das raten wir dir natürlich auch.

 

Viel Spaß beim Augentraining wünschen wir dir!