Die Dos und Don’ts bei (chronischem) Scheidenpilz

 

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titelfoto: Rüdiger Lutz

Vor vielen Jahren, als ich noch jung und unbedarft war …

Oh, es juckt und wird unangenehm untenrum, also nix wie zum Frauenarzt. Scheidenpilz? Haha, lachhaft langweilig für Doc und reine Zeitverschwendung für ihn. Schnell Anti-Pilz-Gedöns aufschreiben und noch schneller wieder loswerden diese wenig lukrative Patientin. 6 Monate später, nächstes Untenrum sagt freundlich hallo und ich „Hallöchen, hier bin ich wieder“ zu meinem Frauenarzt. Er guckt mich vorwurfsvoll an: „Das Medikament gibt‘s rezeptfrei. Bitte nie nicht niemals deswegen wiederkommen. Bei Juck-Gedöns einfach in die Apotheke gehen, Medi holen und selbst behandeln.“

Ich folge seinem Befehl arglos und schließe mit meiner Apotheke neue Freundschaft, denn ich bin nun öfter dort. „Medi für Frauenproblem untenrum, bitte!“ Männliche Mitkunden fallen dabei fast in Ohnmacht. „Igitt, sag doch nicht so was!“, so vermutlich einhellig die Gedanken. Das Entsetzen ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Ich versinke vor Scham im Erdboden und habe ab diesem Zeitpunkt das Untenrum-Problem alle 4 – 12 Wochen zu Gast. Naja, dann halt selbst mit Antimykotikum behandeln, wie Doc sagte. Das tue ich, ca. eine Million Male in den darauf folgenden 20 Jahren.

 

20 Jahre später – Totalausfall

„Frauenproblem untenrum“, flüstere ich verschämt. „Wie bitte?“, fragt die Empfangsdame bei Herrn Doktor. Das Dingens ist ja, dass dieses Dingens-Problem nach wie vor ein bisschen peinlich ist. „Frauenproblem untenrum. Macht doll aua und juckt“, wiederhole ich etwas lauter. Die Patientin rechts neben mir schaut mich an, als habe ich Krätze und weicht erschrocken einen Schritt zur Seite. Das ist momentan mein kleinstes Problem.

Das größte wartet im Wartezimmer auf mich: der Stuhl! Ich kann nicht sitzen wegen dem Aua. Nach einer Stunde bin ich dran. „Frau Uli, bitte“, ertönt es aus dem Lautsprecher. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mit meinem Problem hier nicht ganz so willkommen bin. Kein Wunder, schon das 3. Mal in diesem Quartal deswegen zugegen.

Endlich darf ich mich auf den unbequemsten aller Stühle schwingen und zeige Herrn Doktor die schonungslose Realität. „Sieht übel aus!“, kommentiert er den Anblick stirnrunzelnd. Das motiviert mich enorm. Ich soll antibiotische Salbe auftragen und Zäpfchen einführen wegen böser bakterieller Vaginose in Kombi mit Scheidenpilz. Jackpot!

 

Dingens ist sauer und Untenrum Dauergast

Vaginose-Behandlung fertig. Ein Tag lang Grund zur Freude. Danach: grmpf. Anti-Pilz-Behandlung fertig. Zwei Tage Grund zur Freude. Danach: grmpf.

So geht das nonstop. Mein Dingens ist jetzt richtig sauer und bietet mir jedes Malheur an, das es auf der Welt zu geben scheint. Praktischerweise alle gleichzeitig und inzwischen chronisch täglich! Nur, wegen dieser Frauenärzte, die ja meistens Männer sind und keine praktische Erfahrung haben, wie das bei einer Frau untenrum funktioniert. Jedenfalls nicht in diesem Zusammenhang, sonst wäre es gar nicht so weit gekommen.

Die ständigen Pilzbehandlungen alle paar Wochen brachten das Problem mit den Jahren so richtig zum Explodieren. Meiner Erfahrung nach und der von vielen anderen Betroffenen, mit denen ich gesprochen habe, sind Frauenärzte hier völlig rat- und hilflos. Außer Antimykotikum haben sie keine wirkliche Idee oder Alternative – ein Teufelskreis, wie man sieht, denn das Scheidenmilieu gerät dabei völlig aus seinen natürlichen Fugen.

 

Frauenforen und Google-Tipps – eher mit Vorsicht zu genießen

Google bietet ziemlich viele Tipps für alles, was Frau zum Thema interessieren könnte. Oh je, ein Betroffenen-Forum lacht mich an. Soll ich? Ich wage einen scheuen Blick hinein in das Grauen: „Eine ganze Knoblauchzehe“, erspähe ich als ersten Tipp. Essen oder was? Ach was, mittenrein damit ins Zentrum des Dingens.

Dagegen liest sich die nicht enden wollende Liste anderer Heilungsversuche langweilig: Milchsäure, Milchsäurebakterien, homöopathische Tinkturen, Cremes, Salben, Zäpfchen, Colloidales Silber, Joghurt. Mir wird schwindlig. Die meisten hier haben in purer Verzweiflung haarklein jedes Mittelchen davon schon ausprobiert – ohne Erfolg.

Chaos in der Flora und Fauna

Genau genommen ist Dingens ja so etwas wie eine Art Flora und Fauna. Vielerlei unterschiedliche Spezies leben dort friedlich mit- und nebeneinander – bis das böse Anti-Pilz-Mittel oder Antibiotika daherkommen. Plötzlich rennen alle wie wild durcheinander, es herrscht quasi Flora-und-Fauna-Krieg. Die einen verhauen die anderen, die Halbstarken vermehren sich explosionsartig, die Schüchternen verlassen indes das Schlachtfeld. Und schon ist das Chaos perfekt. Dann stürmt plötzlich der Knoblauch daher und dieses und jene andere Hilfspaket. „SOS!“, schreit das Dingens am Rande des Totalkollapses.

Ich denke scharf nach. Hm, wenn es mir scheiße geht, habe ich auch keine Lust auf Action. Ich will einfach nur meine Ruhe und leg mich ins Bett. „Juhu, sie hat‘s endlich kapiert“, so der Ruf von unten. Der innere Kritiker quakt dazwischen: „Geht gar nicht, Großgefahr, du musst dies und jenes veranstalten!“ Himmelherrgott, was für ein Tumult, und so treffe ich eine mutige Entscheidung:

Ich mache jetzt einfach gar nichts mehr!

keine Heilungsversuche, keine Medis, keine Salben und Co., sondern lasse die Flora und Fauna endlich mal zur Ruhe kommen.

Dazu ein paar einfache Hygienemaßnahmen beachten:

1. Keine Tampons, sondern ausschließlich Slipeinlagen oder Binden ohne jegliche chemischen Zusätze benutzen.
2. Den Intimbereich nur mit Wasser oder spezieller Intim-Reinigungslotion waschen.
3. Zum Abtrocknen des Intimbereichs ein separates kleines Gästetuch verwenden und täglich wechseln.
4. Nur Slips tragen, die bei 60 bzw. 95 Grad waschbar sind.

Außerdem:
Weizenmehl und Industriezucker vom Ernährungsplan streichen.

Zusätzlich:
Das simpelste und natürlichste Pflegemittel der Welt: Kokosöl. Einen winzigen Hauch davon auf die noch nasse Haut im Intimbereich auftragen und danach mit dem Gästetuch sanft trockentupfen.

Ergebnis: Happyend nach zwei Jahrzehnten!