Abwehrkräfte stärken: 7 Tipps für ein bärenstarkes Immunsystem

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titelfoto: Rüdiger Lutz

 

Alles schnieft und hustet, manchen Menschen jedoch scheint keine Grippewelle je etwas anzuhaben. Sie sind so gut wie nie krank und haben wohl ein sehr starkes Immunsystem. Wie machen sie das? Gute Gene, eine besondere Lebensweise oder seltene Exoten? Es ist sogar viel simpler, und genau dem sind wir zur aktuellen Grippewellen-Zeit einmal nachgegangen.

 

#1 Starkes Immunsystem: Frische Luft und Bewegung

Ein starkes Immunsystem durch BewegungMeine Oma war nie krank und hatte wohl ein solches bombig starkes Immunsystem. Ich kann mich nicht erinnern, sie auch nur einmal mit Erkältung gesehen zu haben.

Dafür lief sie regelmäßig zweimal täglich spazieren, hier und da ein Schwätzchen im Dorf. Inwieweit sich das immunstärkend auswirkt, kann ich nicht sagen. Bewegung in der frischen Luft bei Wind und Wetter jedoch hat in jedem Fall positive Effekte – da sind sich Gesundheitsexperten einig. Mein Mann Rüdi ist dahingehend auch so ein Parade-Beispiel:

Ihn erwischt es sehr selten. Und wenn, nur ganz kurz – maximal 1-2 Tage. Danach springt er von einer Sekunde auf die andere wieder topfit durch die Gegend, als sei nichts gewesen. Wenn ich dann völlig im Eimer an Tag 10 der Erkältung bzw. Grippe leidend in seine Richtung schaue, resümiert er stolz:

„Tja, 30 Jahren Straßenbau, harte Arbeit bei Wind und Wetter – das härtet ab und macht ein starkes Immunsystem.“

Damit kann ich leider nicht dienen, schwinge mich dafür regelmäßig auf mein Trimmrad. Okay, da bläst jetzt recht wenig frische Luft um meine Ohren – dafür mache ich es wie Oma und laufe zusätzlich fast jeden Tag in der Natur eine kleine Runde spazieren.

Wissenschaftlich bewiesene Fakten:

Mediziner bestätigen übrigens, dass Ausdauersportarten die Killerzellen in uns aktivieren. Nein, das sind nicht die Bösen, sondern die Guten, die die Bakterien und Viren in uns plattmachen. Leider liege ich trotz Frischluft und Bewegung (wenn auch mäßiger) ca. einmal im Jahr mit einer fetten Erkältung darnieder. Da sind wir auch schon beim wichtigsten Punkt bezüglich starkes Immunsystem angelangt. Nur Frischluft, nur Bewegung oder nur vitaminreiche Ernährung allein können keine Wunder vollbringen.

Viele unterschiedliche Faktoren spielen zusammen und sind in der Gesamtheit dafür verantwortlich, ob du ein schwaches oder starkes Immunsystem hast.

 

#2 Starkes Immunsystem: Licht und Sonne

Sonne für ein starkes ImmunsystemVitamin D ist derzeit Top-Trend-Thema, denn die Pharmaindustrie will ja auch ein bisschen verdienen. Daher kriegen ganz viele Mensch Angst und schlucken vorsorglich Vitamin D – über die Winterzeit, wegen des fehlenden Sonnenlichtes. Trifft das auf unsere Haut, wird es dort in Vitamin D umgewandelt. Und das brauchen wir unter anderem auch für ein starkes Immunsystem.

Über diesen Hype der Neuzeit kann Rüdi nur grinsen, denn er kennt sich aus mit Sonnenlicht und Vitamin D. Auch aus Straßenbauzeiten. Daher weiß er, dass die Tatsachen um das Vitamin D im Sinne der Verkaufsförderung leicht in Richtung Panikmache verschoben werden.

Vitamin D-Tipp:

Wenn du den Sommer über regelmäßig und oft draußen bist, wirkt das wie ein Vitamin-D-Puffer, der über den ganzen Winter ausreichen kann. So manche(r) gerät trotzdem in deinen Mangel.

Allgemeine Empfehlung: Von März bis Oktober 3 × pro Woche z.B. Hände, Arme und Gesicht von der Sonne bescheinen lassen – besser jedoch so viel Hautfläche wie möglich. Und zwar so lange, dass es zu keinerlei Sonnenbrand kommt. Dann bist du meistens gut versorgt mit Vitamin D. Es gibt natürlich Ausnahmen, daher lasse das bei Verdacht von einem Arzt abklären. So weißt du sicher, ob du überhaupt unterversorgt bist und handeln musst und wenn ja, in welcher Dosierung.

 

#3 Starkes Immunsystem: Entspannung

Gelassenheit tut gut – auch deinem Immunsystem. Wer regelmäßig entspannen kann, auch mal „nein“ statt immer nur „ja“ sagt, hebelt chronischen Stress als Krankmacher No.1 aus. Tja, da habe ich wohl den Jackpot gezogen und weiß nun auch, warum ich eher mal herumkränkele als Rüdi. Obwohl meine Ernährung im Gegensatz zu seiner supergesund und vitaminreich ist.

Beim Thema Gelassenheit meinte es der liebe Gott, oder wer immer sonst für die Verteilung dessen zuständig ist, bei Rüdi besonders gut. Ich dagegen wurde dabei vermutlich komplett vergessen. Daher mache ich brav wie freudig meine tägliche Meditation, was bisher allerdings noch nicht bewirkte, eine allseits tiefenentspannte Uli aus mir zu zaubern. Ich arbeite dran!

Anders Rüdi und übrigens auch Ari. Da kann kommen was will: Die Welt untergehen, eine fiese Katastrophe um die Ecke schielen oder auch ein Riesen-Problem „hallo, hier bin ich“ rufen. Die beiden atmen kurz einmal tief durch und gehen die Sache gelassen an. Mit einer Ausnahme:

Streikt die digitale Technik, ist es aus mit der Ruhe. Während Ari in einem solchen Fall Dampf per Chatnachrichten in meine Richtung ablässt oder sich aufs Indoor-Cyclebike schwingt, zieht Rüdi fluchend den Stecker. Wörtlich zu nehmen.

Extra-Tipp:

Dampf ablassen hilft übrigens auch, wieder runterzukommen und Stress abzubauen. Daher unbedingt empfehlenswert. Bei Rüdi schließt sich nach dieser Aktion grundsätzlich der Gang auf den Balkon an, eine rauchen. Rauchen? Oh je, gar nicht gut für ein starkes Immunsystem. Doch wie du lesen konntest, hat er dank frischer Luft und Bewegung sein Leben lang, grundsätzlicher Tiefentspannung sowie Sonnenlicht bis zum Abwinken gegenüber anderen Menschen wohl trotzdem einen deutlichen Vorsprung. Zumal er beim nächsten entscheidenden Punkt auch ganz vorne mit dabei ist.

 

#4 Starkes Immunsystem: ausreichend Schlaf

Viel Schlaf stärk das ImmunsystemTagsüber fließt eine Menge Cortisol durch deinen Körper. Wenn du Stress hast, um so mehr. Nachts aber legt es sich dann auch endlich mal ein bisschen dösen. Es ist zwar noch da, aber in reduzierter Form. Und das hilft deinem Immunsystem, ein starkes Immunsystem zu werden. Cortisol bremst nämlich die Immunabwehr. Regelmäßig mindestens 7 Stunden Schlaf wären daher prima, damit dieses Hormon gemeinsam mit dir etwas zur Ruhe kommt – zumindest für den Durchschnittsmenschen. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die locker mit weniger auskommen.

Rüdi kann immer schlafen und überall. Im Sitzen oder Stehen, bei tosender Lautstärke um ihn herum – vor allem aber, wenn er krank ist. Was für ein Segen, denn er verpennt das Kranksein einfach, lässt es seinen Körper derweil richten. Daher erwischt ihn eine Grippe auch selten langwierig. Er legt sich einfach hin, macht die Augen zu. Das bleibt die nächsten 24 oder 36 Stunden dann so. Kleine Pipipausen, weiterschlafen.

Nach 1-2 Tagen macht er die Äuglein auf und ist spontangeheilt. Ein Phänomen, das ich noch nie erlebt habe. Okay, ich geb‘s zu: bin neidisch drauf. Letztes Weihnachten funktionierte die Schlafheilung erstmalig nicht ganz so perfekt. Da hingen wir beide grippal in den Seilen. Gewohnheitsmäßig ich jedoch weitaus mehr als er.

 

#5 Starkes Immunsystem: Freude, Lachen, Geselligkeit

Seit ich mit einem Quatschkopf (mit starkem Immunsystem!) verheiratet bin, steht tägliches Lachen auf dem Programm. Unsere Dialoge dürfte glaub niemand hören, man würde uns einliefern. Dieser Lach-Spaß entwickelt sich einfach so in banalen Alltagssituationen und wir lachen Tränen dabei.

So gesehen, kann ich wenigstens hier mal punkten, denn auch lachen trägt dazu bei, dein Immunsystem in Schwung zu bringen. Studien belegen sogar, dass Zufriedenheit die Abwehrkräfte stärkt. Daher: Verbringe so viel intensive Zeit wie möglich mit Freunden oder der Familie. Habt Spaß und lacht miteinander. Noch besser: Lache zwischendurch doch einfach mal über dich selbst und nimm den Alltag nicht ganz so bierernst.

Extra-Tipp:

Küssen stärkt dein Immunsystem ebenso. Knutsche also, was das Zeug hält und auch wenn das nun nicht besonders erotisch klingt: Die Keime deines Partners trainieren deine Abwehrkräfte.

 

#6 Starkes Immunsystem: Fingerchen weg!

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich bin in einer Angelegenheit recht eigen, wenn es ans Einkaufen geht – daher muss auch immer Rüdi den Einkaufswagen schieben. Mich ekelt die Vorstellung dermaßen, dass schon Millionen Schnupfenhände den Griff vor mir angefasst haben. Das mag zimperlich klingen, laut Experten liege ich aber goldrichtig, hier aufzupassen.

Kaum zu Hause angekommen, führt mich der erste Weg ins Bad: ausgiebig Hände waschen. Der Expertenrat: In Grippezeiten gerne 5 x täglich die Hände waschen, die Seife dabei 20-30 Sekunden gut einreiben, abspülen, abtrocknen und danach schön eincremen. Super, alles richtig gemacht.

Extra-Tipp:

Wir fassen uns jeden Tag zig Male unbewusst ins Gesicht. Eyey, gar nicht gut, denn die Grippeviren freuen sich, wenn ihnen damit Tür und Tor in unser System offensteht. Achte bewusst darauf, deine Finger aus dem Gesicht zu lassen. So vermeidest du zusätzliche Ansteckungsgefahr.

 

#7 Starkes Immunsystem: Ernährung – der Darm macht’s!

Vitamine für ein starkes ImmunsystemSpätestens seit Giulia Enders‘ Bestseller „Darm mit Charme“ ist es bei jedem angekommen: Unser Darm ist genial. Kaum verwunderlich also, dass sich 70 % aller Immunzellen im Darm befinden. Was für eine bärenstarke Truppe an einem vergleichsweise kleinen Ort.

Eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung bedeutet neue Power für deine Immunzellen. Ari lebt das beispielsweise mit „Grünfutter“ aus, wie sie es nennt. Brokkoli liebt sie heiß und innig, ich eher mittel. Außerdem trinkt sie supergerne Jamu, das Heilgetränk aus Indosien. Meine Favorits sind wiederum Auberginen, Heidelbeeren, Avocado und Äpfel.

Ganz viele Lebensmittel und auch Gewürze wirken entzündungshemmend, antibakteriell, immunstärkend, z.B.:

  • Heidelbeeren (Flavone)
  • Gewürznelken (enthalten viele Antioxidantien)
  • Gelbwurz (Curcumin)
  • Knoblauch (Allicin)
  • Rosmarin, Thymian, Majoran und andere Kräuter stellen dem Körper ebenso hilfreiche Radikalenfänger zur Verfügung

 

Dich hat‘s erwischt? Ein paar Akut-Tipps 

  1. Viren wegspülen

Das Prinzip ist simpel. Wenn du die Viren wegspülst, verringerst du ihre Überlebenschance. Du kannst beispielsweise Nasenspülungen machen oder auch heiße Getränke, scharfe Gewürze oder Suppen zu dir nehmen. Das bringt deine Nase zum Laufen und beförderst die Viren damit nach draußen.

  1. Naturheilmittel

Eindeutig wissenschaftlich bewiesen ist die Wirksamkeit zwar nicht, vieles deutet jedoch darauf hin: Echinacea-Präparate (Roter Sonnenhut) oder auch die afrikanische Geranie (Umckaloabo) sollen bestimmte Abwehrzellen aktivieren.

  1. Vitamin C

Der Klassiker! Vitamin C hat es auf die freien Radikale abgesehen. Einer Erkältung vorbeugen kannst du damit zwar nicht, allerdings Symptome und auch die Infektdauer unter Umständen mindern. Jede Infektion verbraucht eine Menge Vitamin C. Schon wenige Stunden nach Beginn der Erkältung oder Grippe sackt der Vitamin-C-Spiegel auf die Hälfte ab. Lebensmittel mit hohem Vitamin-C-Gehalt beispielsweise sind (Achtung: Vitamin C ist hitzeempfindlich. Gemüse also immer nur kurz andünsten):

  • Orangen
  • Rote rohe Paprika
  • Brokkoli
  • Grünkohl
  • Rosenkohl
  • Schwarze Johannisbeere
  • Guave
  • Spinat

 

Kleine Abschluss-Tipp von Ari + mir: Abhärtung

© Rüdiger Lutz

Seit jeher lässt Ari ihre Haare lufttrocken – Sommer wie Winter – und geht zudem regelmäßig in die Saune. Das härtet ab. Ich mache das auf meine Weise, wie man sieht. Einfach mal barfuß im Sommerkleid im Schnee spazieren. Okay, kleiner Witz, so abgehärtet bin ich dann doch wieder nicht und verrate dir daher, dass das eine kleine Fotomontage ist. Ich gestalte das Abhärten lieber etwas sanfter mit einfachen Wechselduschen.