Die Magie von Kleidung: vier Frauen – vier Beispiele

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titelfoto: Rüdiger Lutz

Mein 50. Geburtstag in 2018. Da ich diesen auf den Heiligen Abend verlegt habe, muss ich schon selbst für ein bisschen Unterhaltungs-Programm sorgen. Ist ja sonst nix los – also shooten wir. Aber nicht irgendwie, nein! Eine besondere Klamotte soll es richten. Und dabei passiert es: Ich erlebe dieses Phänomen, das sich „Magie von Kleidung“ nennt. Wie sich herausstellt, bin ich damit nicht allein. Also holen wir uns für diesen Artikel weitere coole Ü50-Damen mit an Bord, um dieses Phänomen in Text und Bild darzustellen. Nur Ari tanzt in dem Fall aus der Reihe, die von sich selbst sagt „Kenn ich nicht, hab ich nicht!“ – Du Rebellin, du!

 

Magischer Moment Teil 1: Uli

   

©Rüdiger Lutz

Vorhaben Shooting. Nichts Neues für mich, doch an diesem Tag aus gegebenem Anlass etwas Besonderes. Also planen wir das auch von langer Hand im Voraus, denn ich soll dazu Klamotten tragen, die ich sonst nie trage. Rüdi hilft bei der Auswahl und das ist gut so, da ich mir dieses Outfit so selbst nie besorgt hätte – auch wenn’s nur fürs Shooting ist.

Der Pulli kratzt abscheulich und die Hose ist viel zu eng am Bund. Ich kann kaum atmen, sieht aber halt extrem gut aus. Falls du dich jetzt fragst, warum ich die nicht einfach eine Nummer größer besorgt habe? Ganz einfach, weil sie dann zwar obenrum perfekt passt, untenrum allerdings an mir herumhängt wie ein Kartoffelsack in Größe XXXL. Die Schuhe wiederum sind dermaßen schwere Treter, dass ich mich frage, wie eine Frau darin laufen soll, ohne dabei Muskelkater in den Waden zu kriegen.

Doch alles das ist mir gerade völlig schnuppe, was mich selbst wundert. Die Magie ist schuld. Denn ab Sekunde eins, als ich das coole Shooting-Outfit am Leibe trage, vollzieht sich eine Wandlung: Ich fühle mich als das coolste Streetstyle-Girl der Welt. Das bedingt, dass ich mich von allein in verschiedene Posen schmeiße, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Insofern ein Wunder, da ich dank Rüdi zwar schon hunderte Shootings hinter mir habe – nach wie vor aber recht steif vor dieser Kamera stehe.

Üblicherweise läuft ein Shooting bei uns daher so ab: „Wie jetzt gucken, wohin die Arme und was soll ich machen?“, frage ich meinen Fotografen, der mir dann entweder konkrete Anweisungen gibt oder mich eben zum Lachen. Beides bewirkt, dass wir am Ende trotzdem immer tolle Fotos zustande kriegen.

An dem Tag jedoch ist alles anders – ich bin wie verwandelt. Was Klamotten doch alles bewirken können. Fühlt sich an wie ein Gefühlsrausch. Irgendwie magisch. Genau das beschreibt auch Marlen, die uns erst auf die Idee dieses Artikels brachte.

 

 

Magischer Moment Teil 2: Marlen

©Marlen Meyer

Ich scrolle durch den Insta-Feed und stöbere, was die Community denn alles so veröffentlich hat. Dann erblicke ich das Foto von Marlen  – nicht das erste Mal, dass ich dabei Schnappatmung kriege. Wow!

Ari und ich wechseln uns in Sachen Insta übrigens unausgesprochen ab. Ich platziere die Inhalte und kommentiere gelegentlich in unserer Community. So, wie die Zeit reicht. Ari als weltbeste Community Managerin kann das aber viel besser. Und sie macht das so ehrlich interessiert und von Herzen kommend, dass einem wirklich das Herz aufgeht. So kann es auch mal passieren, dass eine PN eingeht und wir parallel in derselben Minute antworten. So wie neulich. Was haben wir zu dritt dann gelacht, als beim Empfänger wie aus Zauberhand die Parallelnachrichten eintrudelten.

Zurück zu Marlens Wow-Foto. Ich kommentiere spontan, was ich in dem Moment denke:

„Was für eine Erscheinung!“

Marlen: „Ich wundere mich selbst. Sobald ich diesen Anzug anziehe, passiert etwas Magisches.“

Liebe Marlen, das sieht man!

Ich dann: „Habe ich mit bestimmter Klamotte für ein Shooting ähnlich auch schon gefühlt.“

Marlen: „Uiiiih das wäre dann vielleicht ein spannendes Thema für euch: Die positive Veränderung der Seele durch magische Garderobe.“

Den letzten Kommentar von ihr krieg ich gar nicht mehr mit. Ari entdeckt ihn glücklicherweise und schreibt mir sofort per Messanger:

„Uli, hast du gesehen, was Marlen uns für ein Geschenk geliefert hat?“

Ich: „Nö, wie, was, wo?“

Schnell nach dem Kommentar gestöbert und mich zusammen mit Ari gefreut, dass wir so tolle Menschen in unserer Community haben. Ich also nix wie der Marlen eine PN geschickt, dass wir die Idee, juhu, liebend gerne aufgreifen. Dass es ohne sie als Ideengeberin aber nicht gehen würde. Also bitte das Foto in guter Auflösung per Mail senden. Und das kommt dann auch prompt.

Damit wäre der Stein für diesen Artikel ins Rollen gebracht. Danke, liebe Marlen, wir sind happy über unseren Kontakt!

 

Magischer Moment Teil 3: Wenke

   

© links: Alexander Wild + Rüdiger Schulze / rechts: Wenke Oehlandt

Im Zusammenhang des zu entstehenden Artikels fällt uns spontan Wenke ein. Auch so eine Frau, die wir auf Insta inzwischen sehr lieb gewonnen haben. Jedenfalls ist Wenke ein extrem wandelbarer Mensch und jedes ihrer Fotos ein Hochgenuss. Vom Abendkleid bis zum Holzhacker-Outfit fühlt sie sich scheint’s in allem wohl.

Neugier ist eine Eigenschaft, die mich schon immer weitergebracht hat. Wer fragt, gewinnt. Also frage ich Wenke, ob sie diese magischen Momente eigentlich auch kennt. Ich bin mir zwar relativ sicher, dass dem so ist, dennoch gespannt auf ihre Antwort. Auf die muss ich nicht lange warten:

 

„Wenn ich einen schwarzen Hosenanzug anziehe und dazu Boots oder High Heels trage, verwandle ich mich automatisch in eine Businessfrau. Ich könnte dann Berge versetzen und habe das Gefühl, ich schaffe alles. Außerdem liebe ich Hüte. Damit ist man auch irgendwie eine andere Person!“

Bingo! Nebenbei verrät sie uns noch ein Geheimnis. Denn außer bildhübsch und sympathisch ist sie auch die Vize Miss 50plus Germany. Sicherheitshalber, damit ihre bombastische Ausstrahlung auch ja nicht der Nervosität zum Opfer fällt, greift sie dazu in die magische Trickkiste.

Zum Casting trägt sie was? Einen schwarzen Hosenanzug natürlich. Der Sprung in die top 20 ist damit geschafft. Im Finale wählt sie dann ihr Lieblingsabendkleid. Sie fühlt sich darin selbst einfach nur wunderschön und kann dieses Gefühl authentisch nach außen tragen. Gratulation zur Vize-Miss und danke, dass du an diesem Artikel mitwirkst.

 

 

Magischer Moment Teil 4 (ganz ohne inneren „Rollenwechsel“): Ari

© Rüdiger Lutz

Magische Klamotten-Momente kennt Ari nicht. Ob sie nun ein Abendkleid tragen würde, Kostüme, verrückte Kleidung, egal was: Das macht rein gar nix mit ihr – auch früher nicht in der Zeit, als sie wunderschöne Bademode und Wäsche vorführte.

Ich hatte das vage in anderer Weise probiert, beim letzten Treffen:

„Ari, fürs Shooting vielleicht ein bisschen Wimperntusche und Lippenstift?“

Entsetzter Blick als Antwort. Okay, dann ohne.

Ari ist einfach Ari. Immer authentisch, ein sehr großes Herz und gern auch rebellisch. Das mag ich an ihr, denn darin gleich wir uns. Warum ihr das äußere Erscheinungsbild völlig egal ist, leitet sie aus ihren 16 Lebensmotiven ab, die arg von der Norm abweichen. Noch besser erklären kann das Anette Staub. Für Ari ist Freundin Anette oftmals die „Ari-Translatorin“ und Unterstützerin in allen Angelegenheiten der Kommunikation.

 

Coach Anette Staub:

„Ari ist – so wie viele andere auch – ein Mensch mit Ecken und Kanten. Diese sollte man feiern, Diamanten sind ja auch nicht rund.

Es gibt wissenschaftliche Analysen, die anhand von 16 sogenannten Lebensmotiven völlig wertungsfrei die Persönlichkeit eines Menschen beschreiben. Bei dem Verfahren wird gemessen, wie sehr sich das eigene Ankreuzverhalten bei den 144 Aussagen von dem der anderen Menschen unterscheidet – oder auch nicht. Ari ist statistisch gesehen in vielen Merkmalen nicht „normal“. Aber wer ist schon normal? Und was bedeutet eigentlich „normal“?

Ungeheuer freiheitsliebend, unabhängig von der Meinung anderer, da sie keinem Menschen gefallen will, unauffällig. Das heißt, sie überlässt das Rampenlicht gerne den anderen und fühlt sich im Hintergrund wohl. Dies sind nur ein paar Lebensmotive – Autonomie, Status, Soziale Anerkennung. Ari teilt diese Ausprägungen nur mit ganz wenigen anderen Menschen, aber für sie fühlt es sich völlig normal an.

Sie ist also authentisch in ihrer Persönlichkeit, und Klamotten sind für sie wirklich unwichtig, auch wenn es um ihre Wirkung auf andere geht. Nachvollziehbar ist dies aber für viele nicht. Jeder Mensch ist unschubladisierbar, einzigartig, und genau deshalb auch so richtig. Lassen wir die Typisierung sein und schauen auf die Einzigartigkeit eines Menschen. Nur in einem Fall unterstütze ich eine Typenbildung: typisch Ari.“

© Foto Anette: Gudrun Betram