Mach doch, was du willst (und hab Spaß dabei!)

Autorin des Artikels: Ulrike Parthen + Manuela Starkmann
Titelfoto: Rüdiger Lutz
Video im Artikel: „Frau Klarheit“ Manuela Starkmann

Ari und ich fallen zeitweise doch arg auf. Beispielsweise, wenn man uns auf die Finger guckt. Was sieht man da? Naturnägel, unlackiert. NATURNÄGEL! Geht heute ja gar nicht und wird fast genauso kritisch beäugt wie deutlicher Haarwuchs unter den Achseln. Igitt, wer macht denn so was!

Apropos Achselhaare. Neulich unter der Dusche. „Oh, was sprießt denn da?“ Ich vergesse das ehrlich gesagt häufig, weil es mir nur so semi-wichtig ist. Stört mich prinzipiell nicht und wenn’s jemand anderen stört, soll der halt weggucken.

Ari und ich haben uns erst dieser Tage gefragt: Warum machen viele Menschen dennoch zeitweise Dinge, die sie selbst so vielleicht gar nicht wollen? Aus Gewohnheit? Gesellschaftlicher Verpflichtung? Wir gucken uns dieses Thema genauer an und haben dafür kompetente Unterstützung mit an Bord: „Frau Klarheit“ Manuela Starkmann.

 

Die Wahrheit

Als ich die ersten Zeilen dieses Artikels schreibe, stelle ich fest: Ari und ich machen sehr oft sehr konsequent exakt das, was wir wollen – aber eben nicht immer. Ertappt! Und weil ich das gerade sehr spannend finde, reden wir jetzt Tacheles. Also ungeschönt alles auf den Tisch. Wo ist Luft nach oben? Nachfolgend unsere Hitliste der Dinge, die deutlich verbesserungswürdig wären.

 

Hitliste Uli – „Ich mache es noch nicht ganz so, wie ich will“:

 

1. Shootings mit meinem Mann Rüdi

Ich gebe zu: Immer dann, wenn wir wieder besonders auffallen, ist mir das schrecklich peinlich. Ich frage mich, warum eigentlich? Denn wir haben dabei eine Menge Spaß und für manchen tollen Schuss braucht es eben bestimmte Aktionen oder Locations. Wie beispielsweise mitten in der Fußgängerzone bäuchlings auf der Straße herumliegen. Ein paar Meter entfernt liegt mein Fotograf, ebenso auf dem Bauch, und ruft mir lauthals Anweisungen rüber. Wir werden zum Hingucker in der Stadt.

Oder irgendwo bei uns auf den Feldern. Kein großer Publikumsverkehr, außer die vier Radfahrer, die gerade an uns vorbeiradeln und dermaßen glotzen, als würden sie gerade einen Geist sehen. Ich merke, dass ich bei anstehenden Shootings immer sehr erpicht darauf bin, ja irgendwo hinzugehen, wo wenig bis keine Leute sind – obwohl ich ja grundsätzlich Spaß bei derlei auffälligen Aktionen habe.

 

2. Lange Haare – kurze Haare?

Ob das jetzt auch in die Hitliste gehört, weiß ich gar nicht. Ich packs einfach mal mit rein. Vor zwei Jahren steckte ich in einer Kurzhaar-Phase. Damals hatte ich die Faxen dicke nach diversen verunglückten Friseurbesuchen und sowieso: Ist doch viel praktischer morgens. Außerdem bin ich ja eh ein sportliches (freches) Mädchen. Passte also prima.

Inzwischen sind sie wieder hmmmm soooo schööööön lang. Ari meinte dazu neulich „Du mit deiner Ausstrahlung und den langen Haaren wirkst wie ein Reh“. Das Reh indes flucht fast jeden Tag, da es zum Föhnen ewig braucht und ihm die Haare dauernd ins Gesicht hängen.

Hochstecken oder Zopf geht bei mir nicht, da kriege ich sofort Kopfschmerzen. Praktisch gesehen, wäre kurz also wirklich cool – und frech ist ja nicht so das Schlechteste. Und auch wenn Rüdi mich glücklicherweise immer bezaubernd findet, favorisiert er eindeutig die kurzen Haare.

Ich merke jedoch, dass ich mich „lang“ sehr viel weiblicher fühle. Daher vermute ich schwer, dass das jetzt auch so ein (verstecktes) Hitlisten-Ding ist. Manuela wird’s wissen und schreibt nachfolgend dazu selbst ein paar Zeilen:

 

Manuela Starkmann: Warum machen wir nicht, was wir wollen?

Uli und Ari fragen sich, ob aus Gewohnheit oder gesellschaftlichen Verpflichtungen. Das ist wie die Frage „Käsekuchen oder Schokoladenkuchen?“, da gibt es nur eine richtige Antwort „Ja.“

Ich halte mich für bewusst und selbstreflektiert. Und dennoch gibt es da deutlich Luft nach oben im Bereich der Entwicklung. Kann man also wirklich aus tiefstem, freien Herzen machen, was man will? Nein! Weil wir meist noch gar nicht erkannt haben, was wir wirklich wollen.

Machen, was wir wollen, ist das Ziel. Doch viele Menschen gehen nicht zurück auf Los, sondern laufen halt einfach. Viele meiner Klienten sagen es noch klarer: funktionieren. Beim Laufen oder Funktionieren geschieht eines nicht: Einfach mal hinsetzen, ausruhen und schauen, was da alles drin ist im „Lebensrucksack“. Das passiert oft erst dann, wenn was passiert. Ein Notfall, Krankheit, Tod. Dann beginnen Menschen zu sinnen – sICH zu beSINNen.

Besinnen bzw. erkennen ist halt einfach auch gar nicht chic. Mit Gefühlen umzugehen, haben wir verlernt. Es geht von klein auf um vorzeigbare Ergebnisse. Ein blöder Tausch. Wer sich irgendwann doch seinen Lebensrucksack zur Hand nimmt und schaut, was da drin ist, wird gegebenenfalls beim Aussortieren vom Umfeld gleich wieder gebremst.

Was lernt der Mensch? Verändere dich nicht! Veränderung klappt eh nicht! Mach es wie immer, funktioniert doch! Hol dir nicht immer deine unkonventionelle Extrawurst! Hör auf, mit deiner Art überall anzuecken!

„An den Weggabelungen des Lebens stehen keine Wegweiser“, sagt Charlie Chaplin. Vielleicht doch. Vielleicht sind diese Wegweiser nur nicht so, wie wir sie erwarten. Vielleicht sind es eher die kleinen Unstimmigkeiten mit sich und anderen, das öfter krank werden, das weniger fröhlich sein. Oder der Notfall, die Krankheit, der Tod. Als Hospizbegleiterin erlebe ich, wie Menschen spätestens dann klar auf den Pott des Lebens gesetzt werden. Doch braucht es immer Leid, um zu erkennen? Sind erst Schmerzen der Grund, endlich mal anzuHALTen?

Aus meiner eigenen Erfahrung und aus vielen Erlebnissen mit meinen Klienten weiß ich, dass Erkennen und Verändern leicht ist und Spaß macht. Dafür muss man nichts tun. Man muss nicht drei Stunden früher aufstehen, um den frühen Wurm zu fangen. Man muss sich keine Ziele setzen, die in To-do-Listen einzementiert sind. Man muss nicht an einer scheißteuren Mastermind teilnehmen. Man muss bzw. darf, wenn überhaupt, mal zuallererst das Wort „müssen“ streichen.

Ich glaube, zwei Sprüche sind super (gibt’s auch gedruckt auf T-Shirts und Kaffeebechern):

„Scheiß drauf“ und „Klappe halten“.

Warum machen wir nicht, was wir wollen? Weil wir denken, die anderen denken, dass sich das nicht gehört, das stört, das macht man nicht und wenn doch, ist es egoistisch. Echt? Scheiß drauf.

Warum machen wir nicht, was wir wollen? Weil sich Erziehung und Gewohnheiten so verselbständigt haben, dass wir uns schon selbst vorschreiben, was wir nicht dürfen. Was tun? Klappe halten.

Entwickeln. Das kann dauern. Nicht so lang, wie man eingewickelt wurde. Mit der Absicht, den Weg weiser (ist dieses Wortspiel zum Zitat oben aufgefallen oder bin ich zu subtil?) zu gehen, begibt man sich einen großen Schritt zurück zum Anfang. Zurück zu seiner inneren Klarheit. Auf diesem Weg geht es nicht um Schuld, sondern um beFREIung. Das ist nicht egoistisch … und damit auch nichts Böses!

Es ist WUNDERvoll EGOistisch, sICH wieder klar selbst zu erkennen, zu wissen, wer man ist, zu fühlen, was man wirklich will und das nun auch mit großer Lebenslust und tiefem Mitgefühl zu leben. Vielleicht sogar schon unter 50 Jahren … doch egal wann:

Herzlich Willkommen in der eigenen Klarheit!

Deine
Frau Klarheit
Manuela Starkmann

 

Hitliste Ari – „Ich mache es noch nicht ganz so, wie ich will“:

 

1. Besuche und die Sache mit den Mitbringseln

Wenn sich bei Ari Besuch ankündigt: Bitte, bitte keine Mitbringsel überreichen! Die Zeit, die ihr jemand schenkt, ist für sie Geschenk genug. Sie freut sich dermaßen darüber, dass kein Mitbringsel je dasselbe in ihr bewirken könnte. Sie findet es zudem sehr schade, da eine Menge dieser Mitbringsel später achtlos irgendwo in der Schublade landen, weil es zwar nett gemeint ist, die Menschen damit aber nichts anfangen können. Ist Ari entsprechend wo eingeladen, schickt sie gleich mal voraus, wie sie das mit den Mitbringseln sieht – dass sie also keine dabei haben wird. Man will ja nicht unhöflich erscheinen.

Und dann tappt sie doch gelegentlich in die Mitbringsel-Falle – vor allem wenn außer ihr noch weitere Gäste geladen sind. Einzige Ausnahme: Selbstgemachtes in Form von Marmelade, Kuchen oder Utensilien zum gemeinsamen Kochen. Das findet sie nicht nur okay, sondern spitze!

 

2. Füße zeigen? Eher ungern!

Aris Oma und Mutter haben ihr unpraktischerweise den Hallux Valgus vererbt. Sieht in Riemchen-Sandalen nicht gerade top aus, denn kein Modell verdeckt den Knubbel, der sich rechts des linken Vorfußes auftut.

Außerdem trägt sie aufgrund dieser Fehlstellung einen potthässlichen Abstandshalter aus Silikon zwischen linkem Großzeh und dem Zeh daneben. Den Anblick muss man ja auch nicht unbedingt jedem preisgeben. Und sowieso schneiden ihr die Riemchen überall schmerzhaft in die Haut. „Ihr lieben Riemchen-Sandalen dieser Welt, ich liebe euch heiß und innig. Aus uns wird  wohl ohne eine pfiffige Neu-Erfindung oder Idee trotzdem keine tragende Verbindung werden.“, lautet die traurige Wahrheit.

Wenn du noch Tipps auf Lager hast, wie du mit dem Hallux Vagus umgehst, bitte gerne an uns mailen. Wir sind brennend daran interessiert: ari@50plusstyle.de

 

Hitliste Rüdi – „Ich mache es noch nicht ganz so, wie ich will“:

 

Da gibt es rein gar nix, was ich hier aufzählen könnte. Ich kenne keinen anderen Menschen auf dieser Welt, der so mit sich im Reinen ist und einfach sein Leben lebt. Ganz so, wie es ihm gefällt, egal bei was und zu 100 % immer.

 

Kurze Zwischenfrage an Manuela. Warum schaffen manche Menschen das so konsequent und andere nicht? Der Witz an der Sache: Manchmal merken wir ja noch nicht mal, dass wir hier einer Täuschung unterliegen und nicht zu 100 % bei uns sind. Wie kommt man wiederum solchen Selbst-Täuschungen auf die Spur? Ihr Statement dazu findest du im Video am Endes des Artikels.

 

Die Wahrheit – Teil 2:

 Trara! Im umgekehrten Falle können Ari und ich natürlich auch eine tolle Hitliste vorweisen. In dem Fall sogar eine gemeinsame. Voilà, hier kommt ein Auszug der Dinge, dir wir so was von 100 % exakt genau machen, wie wir wollen:

  • Finger- und Zehennägel: absolut pur, ohne Lack oder künstliche Mogelpackungen.
  • Unterwäsche: Niemals String (die String-Probierphase ist Lichtjahre vorbei) und nur das, was aus 100 % Baumwolle gefertigt ist.
  • Handtaschen: Ari besitzt keine einzige – lediglich eine Laptoptasche. Ich schon, doch die sind mir als modisches Accessoire dermaßen egal. Hauptsache, Geldbeutel, Handy, Taschentücher und (ganz wichtig) eine Flasche Wasser passen rein.
  • Hohe Schuhe: Haben wir zwar welche im Schrank stehen. Ari aus früheren Zeiten, ich ausschließlich und höchstens 5 Minuten bei einem Shooting. Ansonsten sehen unsere Füße ausschließlich Sneakers oder Boots, mit 0,0 cm Absatz.
  • Feierlichkeiten, Menschenmassen und Co: Überall, wo mehr als drei Menschen zusammenkommen, sind wir nicht ganz so gern zugegen. Das viele Durcheinander-Reden, der Trubel ist uns too Also bleiben wir solchen Veranstaltungen gerne fern.
  • Kleidergröße 34: Unser zarten Figuren wurden von uns nicht extra per Diät so hingedrillt. Wir sind einfach so, schon immer. Und inzwischen stolz darauf, auch wenn uns die Menschen nach wie vor regelmäßig so begrüßen „Hast du schon wieder abgenommen?“ Grrrrrrmmmpf!
  • Schmuck: Welcher Schmuck?

 

Wie angekündigt, kommt abschließend erneut „Frau Klarheit“ Manuela Starkmann zum Thema zu Wort. Lausche unbedingt rein, was sie zu erzählen hat.