Bernd Kiesewetter: Warum du nur eine Entscheidung weit vom Erfolg entfernt bist

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Autorin des Artikels: Ulrike Parthen
Titelfoto: Bernd Kiesewetter

Bernd ist eine richtig coole Type mit typisch Berliner Schnauze. Immer gut drauf und immer auf dem Sprung ins nächste Level: sportlich, geschäftlich, grundsätzlich. Etwas Tolles erreicht im Leben?  Ja, okay, das bringt auch seine Glückshormone in Wallung, jedoch nur kurzzeitig. Danach braucht er recht schnell die nächste Herausforderung – heute nicht mehr ganz so stark ausgeprägt, früher dafür umso krasser.

Das erklärt mitunter auch, warum aus dem erfolgreichen Unternehmer mit gleichzeitig 7 Unternehmen ein Kokain-Süchtiger wurde, über viele Jahre hinweg. Teils tagelang in der Unterwelt verschollen – bis zu diesem einen Moment, in dem er von ganz fiesen Gesellen mehrere Stunden in der Damentoilette bedroht wurde. Bernd wusste, jetzt geht’s ums nackte (Über-)Leben. Was ihm in dieser schwierigen Lebensphase alles passierte und in welcher Mission der heutige cleane Bernd unterwegs ist: Seine bewegende Lebensgeschichte verrät schonungslos alles. Hut ab vor so viel Offenheit!

 

Berlin, im Sommer 2004:

Ein ganz normaler Tag für Bernd. Er sitzt in seinem Büro und wartet auf Besuch. „Hey Martin, lange nicht gesehen!“, begrüßt er seinen Freund, der gerade zur Tür hereinkommt. Danach das typische Männerding: ein bisschen über Autos quatschen, den Job und andere Männerthemen. Ganz nebenbei kramt Martin ein kleines Päckchen aus seiner Hosentasche und breitet den Inhalt vor sich auf dem Tisch aus. So schnell kann Bernd nichts schocken auf dieser Welt. Auch nicht die Tatsache, dass sein Freund soeben direkt vor ihm eine Prise Kokain schnupft. Er ist lediglich überrascht, da er ihn bis jetzt nie mit diesem Zeug in Verbindung gebracht hatte.

Bernd-typisch neugierig will er es nun genau wissen: „Warum machst du das und was zum Henker macht das jetzt mit dir?“ „Kann ich dir echt nicht erklären“, so die wenig zufrieden stellende Antwort. Also findet Bernd es eben selbst heraus. So jedenfalls der Plan, der anders endet als erwartet.

„Boah, wie ekelhaft!“, resümiert Bernd seine erste Berührung mit Kokain. Das hatte er sich anders vorgestellt. Schöner, schwebender, leichter. Aber nein, außer einem ekligen Kloß im Hals kann er nichts Berauschendes feststellen.

Thema erledigt und vergessen. Ziemlich genau ein Jahr lang, danach nimmt das Drama seinen Lauf.

Dazwischen genießt Bernd weiterhin sein Leben. Okay, viel Arbeit. So ist das eben, wenn man 7 erfolgreiche Firmen mit 150 Angestellten gleichzeitig leitet. Wenn schon, dann richtig. Extrem oder gar nicht, so Bernds Motto. Von Callcenter über Autovermietung bis Finanzberatung ist so ziemlich alles in diesem kunterbunten Unternehmens-Haufen mit am Start.

Doch nun erst mal auf zum Sport, der für ihn sehr wichtig ist. Er steigt in seinen Porsche Cabrio und fährt bei allerbestem Sommerwetter und genauso guter Laune zum Fitnessstudio. Ja, der Bernd lässt es sich rundum gut gehen, ist happy, in Topform, gesund und hat ein sorgenfreies Dasein. „Tschüss, ich bin dann zum Sport“, verabschiedet er sich von seiner Familie und verlässt sein schmuckes Berliner Eigenheim.

Musik auf volle Lautstärke, mal hier und da mitgeträllert, zwanzig Minuten später kommt er im Fitnesscenter an – fast so etwas wie sein zweites Zuhause. Dort trainiert er wie genau? Klar, oberstes Level natürlich, was auch sonst!

 

Ein ideales Leben 

Sein Leben verläuft ergo so was von entspannt und ideal, dass man sich teils fragt: Äh, Hollywoodfilm oder so? So viel Glücklichsein und Erfolg ist doch echt nicht mehr zum Aushalten. Und genau das ist auch Bernds Problem, wenn man es so nennen will. Normal ist nichts für ihn. Er sucht immer die nächste Herausforderung, die nächste Stufe, frische neue Reize – etwas, das er anstreben kann. Da kommt ihm das Kokain gerade recht. Und zwar deswegen, da er nun kapiert, wie er damit aus dem „ekeligen Gefühl“ ein nie da gewesenes Highlight für sich zaubern kann. Dazu braucht es einfach nur ein bisschen Alkohol, und den mochte er seinerzeit grundsätzlich recht gern.

Andere Location, gleicher Freund, besagtes Jahr später:

Bernd hat bereits ordentlich einen gedudelt und ist noch besser drauf als sonst. Der Plan „nächstes Level“ nimmt somit Formen an. „Ich nehme das Zeug jetzt einfach noch mal. Soll ja richtig super wirken, wenn Alkohol mit ihm Spiel ist“, lautet seine sehr bewusste Entscheidung. Was er damit anrichtet, ist ihm in der Sekunde leider nicht bewusst.

Danach erlebt Bernd die teuflisch intensive Wirkung der Droge, von der er so schnell nicht wieder loskommen sollte. „Was für ein geiler Abend, so intensiv, wow“, resümiert Bernd das Erlebte und stellt dabei außerdem fest: „Hey cool, wenn ich das Zeug nehme, kann ich trinken wie ein Ritter, ohne besoffen zu werden.“ Findet er richtig, richtig cool.

Also fängt er morgens schon an. Mit einem Sektchen oder auch zwei, dazwischen Wein. So geht das den lieben langen Tag. Parallel fünf- bis zehnmal eine Nase Kokain. Wobei das natürlich erst mal niemand mitkriegt. Als Koks-Neuling hat er zwar keine Ahnung, wie viel er genau von dem Zeug überhaupt nehmen kann, also dosiert er einfach frei Schnauze. Wird schon passen, denkt er sich und landet bald schon bei um die 5 Gramm pro Tag.

Ein berufliches Event steht an. Auch wieder so ein Level-Ding für Bernd: Viel trinken, aber nichts davon spüren, dem Kokain sei Dank. Genau die richtige Herausforderung für ihn, die heute Abend lautet: Wie viele Gesprächspartner kann ich auf diese Weise unter den Tisch saufen? Nachdem er den dritten verschlissen hat, ruft er völlig überdreht zum Kellner rüber: „Hey, der nächste bitte, der hier ist voll!“ und lacht sich dabei einen Ast.

 

Ausgebremst – aber nur kurzzeitig

Einige Zeit später. Die Kokain-Ära nimmt ein zwangsweises jähes Ende, wenn auch nur für begrenzte Zeit. Jedenfalls passiert etwas in Bernds Leben, das alles auf den Kopf stellt: Firmen weg, Autos weg, Geld weg, Existenz weg. Damit hat Bernd erst mal andere Sorgen, als irgendwelchen Next-Level-Geschichten nachzujagen. Dass er deswegen von einem Tag auf den anderen seinen Kokainkonsum eistellen muss, juckt ihn körperlich recht wenig. Entzugserscheinungen? Nö, hat er keine. Sofern man das Gehirn hier mal ausklammert, denn das ist in Sachen Kokain ziemlich fies.

Daher an der Stelle ein Plädoyer an alle jungen Menschen: Lasst eure Finger von dem teuflischen Zeug!

Bei erstmaligem Kokainkonsum sind die Nervenzellen des Gehirns mit der Überdosis Dopamin-Ausschüttung völlig überfordert. Sie können quasi gar nicht so viel davon aufnehmen, wie in Sekunden plötzlich in den Zellen herumschwirrt. Genau das verursacht das intensive Gefühl, das auch Bernd an diesem denkwürdigen Abend in 2005 erlebte.

Und weil es so sensationell war, will er das danach natürlich noch mal spüren. Und noch mal und noch mal. Also die nächste Ladung Rauschmittel, doch die Nervenzellen sind schlau. Sie erkennen, aha, volle Ladung Dopamin im Anmarsch und können das schon viel besser auffangen als beim ersten Versuch. Sie werden sogar immer besser darin und werden diese Tatsache auch nie mehr vergessen – egal, wie viel kokainfreie Pause dazwischen liegen mag. Daher erinnern sie Bernd haargenau bei allen möglichen Gerüchen, bei bestimmter Musik, bei so ziemlich tausenden Gelegenheiten noch heute daran: „Hey Kumpel, weißte noch damals? War geil!“

 

Zurück ins Jahr 2007:

Bernds Scherbenhaufen ist inzwischen einigermaßen zusammengekehrt, eine neue Existenz aufgebaut, er lebt wieder recht „normal“. Spaß wäre da jetzt toll, überlegt er sich und schaltet auf Partymodus. Schon klopft das Gehirn an mit der Message: „Kokain wäre nicht schlecht. Bernd, du erinnerst dich?!“ Klar erinnert sich Bernd. Und so lässt er alle drei Monate richtig die Sau raus. Viel Alkohol, viel Kokain, meist in netter Umgebung, also in einem schönen Restaurant oder so – während seine Familie zu Hause sitzt und den normalen Alltag irgendwie aufrecht zu erhalten versucht.

Die dritte Partyorgie steht an. Bernd sitzt in einer schicken Bar. Eine Dame mit rauchiger Stimme unterhält die Gäste mit Soul-Gesang. Sie wird von einem adretten Gentleman am Piano begleitet. Die Lichter sind gedimmt, der Laden recht voll und Bernd mittendrin. Nach reichlich Alkohol und genauso viel Kokain stellt er morgens um vier Uhr fest: Oha, nun ist nur noch der harte Kern anwesend.

Fünf Uhr, die Bar schließt. „Wohin gehen wir jetzt?“, fragt sich der harte Kern und zieht weiter in eine 24-Stunden-Kneipe. Lauter Abgestürzte hier, denkt sich Bernd, als er die Menschen sieht, die dort am Tresen herumlungern. Dass er längst einer von ihnen ist, auf die Idee kommt er nicht. Nach einer komplett durchzechten Nacht und einem durchzechten Tag kehrt der abgestürzte Bernd ins traute Heim zurück.

Zwei Monate später: „Hey Kumpel, eine Partynacht wäre mal wieder gut!“ Das Hirn schon wieder …

Es meldet sich jetzt öfter, denn drei Monate Party-Kokain-Pause sind ihm zu lang. Also zieht Bernd schon nach zwei Monaten los und ist jetzt 3 Tage und Nächte in der Unterwelt verschollen. Die Spelunken werden immer schlechter und Bernd verwandelt sich so langsam zum Ekelpaket. Das Kokain hinterlässt seine Spuren. Er verliert jeglichen Blick für die Realität und die Welt dreht sich nur noch um ihn. „Asozialer Egomane“ umschreibt Bernd zu der Zeit am treffendsten – in einer besonders ausgeprägten Form.

 

Irgendwann in 2010 – noch zwei Jahre bis zur Erleuchtung

Wieder mal sitzt Bernd die vierte Nacht in Folge in einer heruntergekommenen Spelunke. Immer dieselben Leute um sich, die Abgestürzten halt. Ein bildhübsches Mädchen betritt die Kneipe. Bernd kennt sie bereits. Intelligent, sympathisch, aus bestem Hause. Irgendwann endet es in dieser Nacht damit, dass sie nur noch wirres Zeug redet und sich fortwährend im Kreis dreht. Das empfindet Bernd dann schon erschreckend, sieht sich selbst aber immer noch weit weg davon.

Ein halbes Jahr später dämmert ihm dann doch, dass in seinem Leben gehörig was aus dem Ruder gelaufen scheint. Kein Problem, ich krieg das hin. Allein natürlich! Also kauft er sich eine Harley als neues Hobby. Mit irgendetwas Sinnvollem muss die Lücke ja gefüllt werden. „Ich mache eine Kur, sechs Wochen lang“ verkündet er seiner Familie stolz. Seine very special Kur findet zu Hause statt.

Lange Spaziergänge im Wald, viel Sport, Ausflüge mit der Harley, keine Arbeit. Außerdem nur noch alkoholfreies Weizenbier, ansonsten kein Alkohol. Hirn an Bernd. „Du, zwischendurch ein Weizen mit Alkohol schadet jetzt auch nicht!“ Bernd glaubt seinem Hirn aufs Wort und legt sich erneut selbst damit herein. Kein Wunder also, dass seine selbst kreierte Reha völlig in die Hosen geht. Also muss ein Hund her. Ja, neue Verantwortung braucht der Bernd. Erneute Verarschung seines Hirns, das alles daransetzt, ihm fortwährend falsche (kuriose) Tatsachen vorzugaukeln. Also nimmt er den Hund täglich pflichtbewusst mit ins Büro. Irgendwann, ja irgendwann ist der Wunsch nach ein bisschen Konsum und Party dann doch größer. Da kann nur noch ein Taxi helfen. Das bestellt er sich, übergibt dem Taxifahrer den Vierbeiner mit der Bitte, er möge ihn nach Hause zu seiner Frau kutschieren. So, jetzt aber schnell los in die Kneipe.

 

2012, der brandgefährliche Showdown naht

Bernd ist inzwischen fast nur noch auf Party und Droge. Ein Drama in der 24-Stunden-Bar läutet die Wende ein. Zuvor wird es noch recht brenzlig, denn die Unterwelt hat Bernd auf dem Kieker. Bernd findet sich plötzlich in der Damentoilette wieder. 6 bedrohliche Typen und er gemeinsam in einer Kabine. Drei weitere stehen im Vorraum. Irgendein Missverständnis, für das Bernd jetzt bezahlen soll. Nicht mit Geld, sondern mit seinem Leben. Knapp sechs Stunden redet er sich um Kopf und Kragen.

Nur seiner Kommunikationsfähigkeit ist zu verdanken, dass er der Situation unbeschadet entkommen kann. Danach die Entscheidung: Jetzt ist Schluss!

Okay, ich seh’s ja ein: Allein schaffe ich es wohl doch nicht. Als Signal an sein kokainvernebeltes Hirn sucht er die Drogenberatung auf und macht eine ambulante Therapie. Damit will er sich selbst und seiner Familie beweisen: Seht her, diese Mal kein leeres Versprechen, keine Verarschung: Ich meine es wirklich ernst!

Uff, dass das anstrengend werden würde, hatte Bernd schon vermutet. Die Therapie verlangt jedoch mehr von ihm ab, als er dachte, und das über sehr lange Zeit. Mehrmals die Woche muss er bei der Drogenberatung erscheinen. Dabei geht es ans Eingemachte. Das Familienleben, naja, lief auch schon besser. Kein Wunder, wenn sich jede Sekunde nur um dieses eine Thema dreht.

 

Der Groschen fällt: die Erkenntnis des Jahrhunderts

Eines Tages, er kommt mal wieder von Therapie nach Hause. Ich will’s jetzt wissen und endlich die Hintergründe des Dilemmas verstehen, denkt sich Bernd. Also schließt er sich tagelang in seinem Büro ein, blickt wechselnd gedankenverloren aus dem Fenster, dann wieder in eines seiner Bücher, die sich dutzendweise um ihn herum auf Schreibtisch und Fußboden stapeln. Die hatte er sich alle einmal im Laufe seiner Selbstständigkeit angeschafft. Thema: „Persönlichkeitsentwicklung“. Darin wird sich doch etwas finden lassen, das mir eine Erklärung bringt, so seine Überzeugung. Dabei landet er natürlich auch bei den bekannten Weisheiten im Sinne von „Alles ist möglich“ und „Positives Denken“.

Stille – danach kurze Verwirrung, dann der Aha-Effekt: Was für ein Quatsch das alles doch ist! Ich war und bin der positivste Mensch, den man sich vorstellen kann. Habe „Alles ist möglich“ erreicht. Und jetzt? Wohin hat mich das gebracht? Dennoch in den Drogensumpf. Damit enttarnen sich diese Weisheiten für ihn als „nicht relevant“. Und er weiß jetzt auch, warum. Weil der entscheidende, wirklich alles entscheidende Punkt ein ganz anderer ist. Nix „schneller, höher weiter, positives Denken“.

Letztlich geht es immer nur um eines: Verantwortung zu übernehmen!

Groschen gefallen, Therapie damit aber längst nicht beendet. Bernd kämpft also weiter. Denn auch wenn das nun wie ein easy Happyend klingen mag. Easy ist hier mal gar nichts! Aber: Der Kampf hat sich gelohnt. Bernd ist und bleibt stark, hat nie wieder ein Gramm der Droge angefasst – bis heute.

Deshalb wird es auch ein bisschen emotional für ihn, als er bemerkt, wie viel Glück er mit dem jahrelangen Kokainmissbrauch hatte. Dabei muss er dann doch dreimal tief durchatmen, um die Welle an hochkommenden Gefühlen zu verkraften. Meine Güte, ich habe diesen Wahnsinn tatsächlich überlebt – und dank meiner wirklich guten Kindheit auch psychisch halbwegs unbeschadet überstanden. Andere haben diese Voraussetzungen und damit dieses Glück nicht.

Grund genug für ihn, nun Verantwortung zu übernehmen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Mission Verantwortung“ nennt er das. Es wird zu seinem neuen Lebensinhalt, persönlich, privat, unternehmerisch. Heute ist er genau in dieser Mission sehr erfolgreich als Coach, Speaker, Mentor und Autor unterwegs. Die Ethik Society zeichnete ihn für sein Engagement aus und einer seiner Kunden sagte über ihn Folgendes: „Du und seine Geschichte sind absolut unique. Du musst den Menschen davon erzählen!“ Das sehen wir ganz genauso und deswegen gibt es auch dieses Artikel-Porträt.

 

Schau doch auch in unser 15-Minuten Inspirations-Quickie mit Bernd Kiesewetter auf youtube!

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